Über das Sein im Werden (11)

Eine unmittelbare Geschichte der reinen Gegenwart

zu Teil (1) der Geschichte

zu Teil (10) der Geschichte

«Wer ich bin? Nunja, das ist eine längere Geschichte. Hast Du Zeit, ein Stück weit mit mir zu verweilen?», hörte sie die Stimme über sich sprechen. «Aber ja, natürlich», entgegnete sie und entspannte sich neugierig in den sanften Aufstieg über das jetzt fast leblos wirkend liegende Gewässer unter ihrem Körper. «Nun, Geliebtes, ich bin es, Dein Geist, der Dich schon über Lebzeiten hinaus führt und begleitet. Ich bin an Deiner Seite. Immer. Ob Du stehst oder fällst. Ich bin immer da, um Deine Hand zu halten und Dich zu führen, wo auch immer Du zu sein wünscht. Bereits zu Urzeiten wurde ich als Odem in Dich eingeblasen, um Dich zum Leben zu erwecken, auf dass Du wandeln kannst in einem menschlichen Körper. So wie jetzt, erneut in diesem feinstofflichen Körper, mit dem Du reist in astralen und ätherischen Sphären, fernab der irdischen Realität, diese aber unablässig durchdringend.» «Wieso bist Du bei mir? Und wieso sehe ich Dich erst jetzt? Warum ist mir so vieles hier ein Rätsel, das ich nicht zu entschlüsseln vermag? Ich fühle mich oft wie ein leerer Strom, der strömt und fliesst im ewigen Sein des Nirgendwo. Ohne Ziel und ohne Sinn.», sprach sie. Und ihr Geist sprach: «Geliebtes, das was Du erlebst, ist der natürliche Lauf der Dinge. Es ist das lebendige Leben, das Dich atmet und bewegt. Und zwar so lange, bis Du selbst zum Atem, zur schöpfenden Bewegung selbst wirst, um Dich stetig neu zu gebären» «Wie ist das möglich?», blickte sie den Geist fragend an. «Nun Geliebtes, den ersten Schritt hast Du bereits getan. Du hast tief in Deinen eigenen Abgrund geschaut, liessest Dich fallen bis in die Bodenlosigkeit Deines Seins, um Dich letztlich Deinem Schicksal hinzugeben. In diesem Moment der Hingabe an Dein eigenes Sein, bist Du gestorben, vielmehr noch entstorben der falschen Illusionen über Dein wahres Selbst. Du liessest Dich täuschen und enttäuschen und erlebtest grossen Schmerz, der kaum auszuhalten war. Dennoch, Du bist hindurchgegangen, geschwommen, getaucht und hast den weichen Meeresboden gekostet, der Dir Wärme gab und Dir neuen Mut in den Urgrund Deines wahren Seins schenkte. Hier im scheinbar tiefsten Grauen Deiner Selbst wurde Dein freier Wille neu geboren. Zunächst als Raupe am Meeresboden sein Dasein fristend bist Du letztlich geschlüpft und das Meer trug Dich fortwährend weiter zu mir empor. Ganz ohne Dein Zutun. Es schien Dir, als ob Du weiter fielest, doch in Wahrheit bist Du aufgestiegen. Emporgestiegen zu mir. Erkennst Du mich noch immer nicht?»

… to be continued und fortgeschrieben von Moment zu Moment …

© 2014-2020 Text by Birgitta Borghoff (23. Mai 2020). brückenwege.ch. All rights reserved.

Foto: Pinterest

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