Über das Sein im Werden (14)

Über das Sein im Werden

Eine unmittelbare Geschichte der reinen Gegenwart

zu Teil (1) der Geschichte

zu Teil (13) der Geschichte

Im Lauschen öffnete sich ihr eine neue Welt. Eine neue Welt, die ihr doch vertraut war. Sie hatte einfach vergessen, dass es diese Welt überhaupt gab. Und wenn sie sich dem Lauschen hingab, konnte sie diese Welt wieder spüren. «Wie tief will und kann ich mich darauf einlassen?», fragte sie sich im Stillen «Und wie gelingt es mir, die so unterschiedlichen Welten, in denen ich mich bewege, miteinander in Einklang zu bringen? Die innere Welt des klaren Fühlens, Sehens und mit dem Herzen Wahrnehmens und die äussere Welt des vorüber gehenden Scheins und Abglanz von leuchtend strahlender Materie auf der einen Seite und matten, unlebendig wirkenden Gestalten auf der anderen. Wie kann ich bei mir bleiben, mir selbst treu und in der Liebe sein, wenn ich dort draussen in der Welt der Materie so viel Furchtbares, Angsteinflössendes erlebe in meinem verletzlichen physischen Körper, mit meinem Geist und Sinnen? Wie lebe ich in der Dualität des irdischen Lebens mein wahres Sein? Wie bringe ich das Echte und Wahre in mir in dieser Welt mit so vielen Gegensätzen, Irrungen und Wirrungen so zum Ausdruck, dass ich selbst keinen Schaden nehme und meinen Nächsten keinen Schaden zufüge? Wie lebe ich wahrhaftig, denke authentisch und handle integer im Einklang mit meiner göttlich-seelischen Essenz? Wie gelingt es mir, mich nicht zu verlieren und mich stattdessen ins Leben selbst zu verlieben, mich auf neue Erfahrungen einzulassen, trotz all dem Unguten, dass ja nur als ungut wahrgenommen wird, weil ich es als ungut verurteile. Habe ich das Recht dazu, etwas als ungut zu bewerten, was doch, wie ich selbst,  auch von Gott kommt, der göttlichen Quelle entstammt und ihr einst entsprungen ist? Wer bin ich, all das zu bewerten und zu verurteilen, was mir nicht entspricht, meinen höchsten Werten sozusagen widerspricht? Muss ich mich immer dagegenstellen, um zu überleben? Ich will doch einfach nur leben und neue Erfahrungen machen. Mich entwickeln, erkennen und lernen, wie sich all das anfühlt. Das Gute und das Schlechte, wenn man es denn so nennen will. Letztlich sind es nur Worte, die eine Schwingung in sich tragen, die anziehend oder abstossend auf mich und meine Mitmenschen wirken.» Diesen inneren Regungen und Ahnungen nachgehend traf sie eine Ent-scheidung: «Ich bin jetzt hier. Ich lebe jetzt. Ich nehme war, was jetzt ist und folge meinen inneren Impulsen, die sich daraus ergeben. Immer im und aus dem Jetzt. Schritt für Schritt, von Sekunde zu Sekunde, Minute zu Minute, ein ganzes Leben lang, bis hin zu meinem Ableben, das auf mich wartet, um mich einst von dieser Welt wieder zu ent-fremden und mich in neue Gewässer zu stossen, in denen ich ein weiteres Mal lernen werde, zu schwimmen. Anders als bisher, vielleicht noch tiefer oder höher. Ich weiss es nicht. Es ist auch nicht wichtig. Was ich aber weiss ist, dass ich lebe. Dass ich jetzt lebe und diesen Moment voll auskoste mit all meinen Sinnen und Hellsinnen, mit Herz und Verstand. Ich lasse alle Gefühle und Gedanken zu und lasse mich führen durch die Weisheit meines göttlichen Seelenwesens, das so sehr mit Himmel und Erde verbunden ist, bereit, diese Reise zu Ende zu führen im Einklang mit der höchsten Liebe, Güte und Weisheit allen Seins. Im Einklang mit der Schöpfung, meinem Schöpfer und meinen Schöpfungen und mit allen Geschöpfen auf der Erde. Ich bin. Ich bin Mensch geworden. Bin ganz und gar menschlich und darf es auch sein. Ich lebe in der Gewissheit, ganz und heil zu sein. Jetzt und immer. In liebevollem Vertrauen zu mir und Gott hin.»

ENDE

© 2014-2024 Text by Birgitta Borghoff (24. Januar 2024). brückenwege.ch. All rights reserved.

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